Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 06/2018, 12.06.2018

Mehr Leistung dank Automation

Die Erwartungen der Verbraucher an Produktqualität und -verfügbarkeit sind hoch. Der niederländische Hersteller von SB-Fleischprodukten ProMessa BV hat daher seine interne Logistik automatisiert – und seinen Output fast verdoppelt.

Moderne Lager- und Materialflusskonzepte müssen in der Lage sein, die immer flexibleren Produktionssysteme zur Herstellung auch kleiner Losgrössen durch innovative Automationslösungen zu unterstützen. Dabei gilt: Je höher der Grad der Vernetzung aller Komponenten, desto effizienter und kostengünstiger können die Kunden beliefert werden.

ProMessa BV, niederländischer Hersteller von SB-Fleischprodukten, hat gemeinsam mit der CSB-Automation AG seine interne Logistik automatisiert. Mit Hilfe der neuen Logistiklösung kann das Unternehmen die Erwartungen des Lebensmitteleinzelhandels jetzt besser erfüllen und so seine Wettbewerbsposition stärken: «Wir beliefern rund 1200 Supermärkte mit einem sehr breiten Sortiment. Das Logistiksystem hilft uns dabei, auch Kleinstmengen effizient zu kommissionieren und auszuliefern. Unsere Kunden können jeden Artikel auch kurzfristig und in geringer Stückzahl bestellen – egal ob klassische Fleisch- oder Wurstware, Hackfleisch oder die niederländische Spezialität ‹Rundervinken›. Wer rechtzeitig bestellt, bekommt seine Ware in der Regel noch am selben Tag», erklärt Geschäftsführer Harold Rouweler. Ein grosser Wettbewerbsvorteil in einem Land, in dem die klassische Bedientheke mehr und mehr an Bedeutung verliert: Der überwiegende Teil der verkauften Fleischprodukte in den Niederlanden sind verpackte SB-Produkte aus dem Lebensmitteleinzelhandel.

Leistung fast verdoppelt

Inzwischen läuft fast der gesamte Materialfluss bei ProMessa automatisiert ab – von der Verpackung der Fleischprodukte am Produktionsausgang über die Lagerung und Kommissionierung bis zur Verladung auf den Lkw. Wo früher Waren und Kisten manuell von A nach B transportiert wurden, arbeiten heute Robotertechnik, Fördertechnikkomponenten, Sorteranlagen und eine Softwarelösung von CSB-System perfekt zusammen.

Wie bei allen intralogistischen Systemen spielt die Software auch bei ProMessa die entscheidende Rolle: Als führendes System organisiert und überwacht sie zwei automatische Kistenlager, Robotereinheiten, vier automatisierte Preisauszeichnungslinien mit angeschlossenen Sorteranlagen, ein automatisches Versandlager sowie ein Fördertechniksystem. Die integrierte Produktionsplanung sorgt für eine genaue zeitliche und mengenmässige Abstimmung der Abläufe. Alle wichtigen Informationen, wie etwa aktuellste Auftrags-, Produktions- und Lagerdaten werden in Echtzeit erfasst und verarbeitet. Diese hochgradige Vernetzung der Betriebsabläufe und Logistikkomponenten realisiert schnelle und fehlerfreie Prozesse sowie eine enorme Leistungsfähigkeit: «Wir haben unseren Output fast verdoppelt – auf manchmal über 100 000 Packungen pro Tag. Zu Weihnachten 2015 haben wir sogar rund 150 000 Packungen geschafft», erklärt Harold Rouweler. Erhöht hat sich übrigens auch der Umsatz von ProMessa, der mittlerweile bei über 70 Mio. Euro liegt. «Dieses Wachstum wäre ohne das neue Logistiksystem in der bestehenden Gebäudestruktur und ohne eine wesentliche Personalaufstockung nicht möglich gewesen», so Rouweler.

Der automatisierte Warenfluss nimmt an einem zentralen I-Punkt direkt am Produktionsausgang seinen Lauf. Mit Barcodes versehen, werden die artikelrein gefüllten Gebinde dem logistischen System übergeben und softwaregesteuert zu einem der beiden Lager transportiert. Kleinmengenartikel lagern in einem klassischen Einzelstellplatz-Hochregallager mit einer Kapazität von 7000 Stellplätzen. Schnell drehende Produkte, von denen in kurzer Zeit grosse Mengen umgeschlagen werden, gehen ins Fast-Mover-Lager. Bei diesem Flächenportal-Roboter-Lager handelt es sich um eine Lagertechnik, die in der Lebensmittelindustrie relativ neu ist. Eine Besonderheit ist die Art der Lagerung, denn die Gebinde werden nicht in Regalen deponiert, sondern direkt auf dem hygienisch gestalteten Lagerboden gestapelt. Seine Leistungsfähigkeit erreicht das Flächenportal dadurch, dass bei der Ein- und Auslagerung je nach Bedarf bis zu sieben Gebinde gleichzeitig bewegt werden können. Das FiFo-Prinzip (First in – First out) wird dabei dadurch gewährleistet, dass das Lager durch Umstapeln der Kunststoffgebinde permanent reorganisiert wird. Auch diesen Prozess steuert das CSB-System vollautomatisch.

Aus den Lagern fahren die Kisten dann – bei entsprechendem Signal durch die ERP-Software – automatisch eine Etage höher zu den vier Preisauszeichnungslinien mit angeschlossenen Ware-zum-Mann-Kommissioniersortern. Über die Software werden Auftragsdaten, Produkte und Gebinde optimal zusammengestellt, den Kommissionierstrecken zugeführt und preisausgezeichnet. Berücksichtigt und berechnet werden dabei neben Stückzahlen und Volumina auch die Anzahl der benötigten Behälter, die erforderlichen Materialflüsse und die optimalen Förderstrecken für die touren- und filialgerechte Beladung der Lkw.

An den installierten CSB-Arbeitsplätzen wird den Mitarbeitern klar visualisiert, welcher Auftrag gerade bearbeitet wird, welche Produkte in welcher Stückzahl zum Auftrag gehören und welches Etikett angebracht werden muss. In der Sortieranlage werden die Produkte schliesslich automatisch an den Kunden-Schächten ausgestossen und in die Gebinde verteilt. «Unsere Mitarbeiter können an den Sortern eine Vielzahl an Aufträgen gleichzeitig bearbeiten und direkt in die Versandkisten ‹picken›. Die Arbeitsplätze sind ergonomisch gestaltet und unnötige Laufwege werden vermieden. So können wir unsere Produktvielfalt effizient abarbeiten, ganz gleich, welche Menge unsere Kunden bestellt haben. Die Bestellmenge hat praktisch keine Auswirkungen mehr auf die logistischen Kosten», sagt Harold Rouweler. Fertig kommissionierte Kisten gelangen dann über die Fördertechnik ins Versandlager, wo sie von einem Flächenportalroboter zu kundenbezogenen Kistenstapeln zusammengestellt werden.

Entkoppelung von Prozesschritten

Das gesamte Intralogistiksystem basiert auf dem Prinzip der Entkoppelung von Prozessschritten. Bei der Konzeption lautete das Ziel, in allen Kernprozessen von der Produktion bis zum Versand unabhängig von vor- und nachgelagerten Prozessschritten arbeiten zu können und so eine permanent hohe Produktivität und Flexibilität zu erzielen. Ein Erfolgsbaustein ist das leistungsfähige Versandlager. Es erlaubt eine optimale Kommissionierung von Kundenaufträgen, die in Form von Kistenstapeln im Tagesverlauf zusammengestellt werden. Das CSB-System erzeugt aus den vorliegenden Kundenaufträgen je nach Warenverfügbarkeit einzelne Subaufträge. So kann die Produktion trotz hoher Artikelvielfalt losgrössenoptimiert und gleichzeitig unabhängig von den Kommissionier- und Versandprozessen arbeiten. Erst wenn die erforderliche Warenmenge in den beiden Pufferlagern eingelagert wurde, wird die Kommissionierung eines Artikels gestartet. Die vier Preisauszeichnungslinien mit Mehrrollendruckern sowie die vier angeschlossenen Sorteranlagen sind im Zusammenspiel mit den vorgelagerten Lager- und Materialflusssystemen in der Lage, je nach Auftragsstruktur stündlich zwischen 5000 und 7500 Packungen zu Mischgebinden zusammenzuführen.

Vorteil der Vernetzung

Digitalisierte und vernetzte Material- und Informationsflüsse bringen viele Vorteile mit sich. ProMessa kann heute schneller auf Nachbestellungen reagieren, ohne einen grossen Lagerbestand aufbauen zu müssen. Aufträge können während des ganzen Tages ins ERP-System übernommen werden und werden meist innerhalb von zwölf Stunden oder noch am selben Tag ausgeliefert. «Früher hatten wir einen deutlich höheren Anteil an Pufferware, die wir vorrätig lagern mussten. Dank der Schnelligkeit unseres logistischen Systems puffern wir mittlerweile nur noch vorverpackte und nicht etikettierte Ware für einen Tag», sagt Rouweler. Damit ist eine tägliche Belieferung der Kunden auch bei einem sehr kurzen Bestellvorlauf realisierbar – die Lieferperformance liegt bei über 99 Prozent. Entsprechend zufrieden zeigt sich Rouweler: «Das Projekt hat gezeigt, wie wichtig die Wahl der richtigen Partner ist, die unseren Produktionsbetrieb technologisch weiterentwickeln. Die Partnerschaft mit CSB-System und CSB-Automation ist für uns sehr wertvoll. Beide Unternehmen bringen immer wieder neue Ideen ein und entwickeln innovative, pra­xisorientierte Lösungen, die unsere Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig verbessern.»

CSB www.csb.com



Über die Software werden Auftragsdaten, Produkte und Gebinde optimal zusammengestellt, den Kommissionierstrecken zugeführt und preisausgezeichnet.