Eine Publikation der Swissprofessionalmedia AG
Ausgabe 9/2019, 23.09.2019

Pflanzenkraft für die Ernährung

Autor: Simon Gröflin

Der Verbraucher fordert inzwischen Produkte, die möglichst ohne E-Nummern und mit einer übersichtlichen Zutatenliste auskommen und dennoch sensorisch überzeugen – für Hersteller eine echte Herausforderung. Noch recht jung ist der «Grüne Verbraucher» mit höchsten Ansprüchen an Nachhaltigkeit und ethisches Sourcing. Die Lebensmittel-Technologie sprach mit Julien Bonvallet, Brand Director der Fi Europe & Ni, über die Themen, die die Lebensmittelindustrie aktuell bewegen.


Nicht zum ersten Mal sind pflanzenbasierte Inhaltsstoffe ein Fokus Ihrer Messe. Was ist neu?

Julien Bonvallet: Mit der zunächst vegetarischen, dann veganen Bewegung kamen immer mehr Produkte auf den Markt, die tierische Zutaten durch pflanzliche ersetzen, bereits seit den 1980er Jahren. Lange Zeit fristeten diese Produkte ein Nischendasein und waren höchstens im Reformhaus zu finden. Inzwischen kommen selbst Discounter nicht ohne vegane Alternativen aus. Neu ist aber, dass die Ansprüche an verarbeitete pflanzliche Lebensmittel wachsen: Das verwendete Soja sollte aus gentechnikfreiem Saatgut stammen, künstliche Texturgeber wie modifizierte Stärke sind zunehmend unerwünscht – ebenso die gerade beim Fleischersatz etablierten Geschmacksverstärker und Würzungen. Eine nachhaltige Herkunft und umweltfreundliche Verpackungen sind ebenfalls ein Thema. Gleichzeitig will kein Verbraucher Abstriche beim Geschmack, bei der Textur und beim Preis hinnehmen.

Geht es dabei allein um die Zielgruppe der Veganer und Vegetarier?


Ich würde eher von der Gruppe der «Green Consumer» sprechen: Menschen, die sich nicht zwangsläufig ohne tierische Produkte ernähren, sondern generell auf einen bewussteren ethischen Umgang mit Lebensmitteln Wert legen – und deshalb, zumindest teilweise, zu rein pflanzlichen Alternativen greifen.


Welche weiteren Trends erwarten die Besucher bei der Fi Europe & Ni?


Clean Label ist ein Thema, das immer noch äusserst relevant ist – Stichwort Clean Label 2.0. Wir erleben aktuell nämlich das Paradox, dass die Zutatenliste immer übersichtlicher und verständlicher wird, jedoch immer mehr verschiedene Claims die Verpackungen erobern. Hier ist entscheidend, dass die Verbraucher sich auf standardisierte und europaweit einheitliche Siegel verlassen können. Es geht auch nicht nur darum, künstliche Inhaltsstoffe durch natürliche zu ersetzen – das  übergeordnete Thema lautet für viele Verbraucher Nachhaltigkeit, Authentizität und Transparenz. Was nützt ein cleanes Lebensmittel, wenn dadurch die Verarbeitung aufwändiger wird und die Prozesse mehr Energie benötigen?

«Natural & Organic» ist ebenfalls ein zentrales Thema, dem wir mit eigenen Pavillons und Veranstaltungen Rechnung tragen. Ich bin sicher, es wird auch in diesem Jahr kaum eine Zutat geben, bei der die Fachbesucher der Fi Europe & Ni nicht die Wahl haben zwischen einer Standardlösung, einer natürlicheren Variante und einer in Bioqualität.



Julien Bonvallet, Brand Director Fi Europe. (Bild: Fi Global)