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Aufwind in der Schweizer Food-Start-up-Szene

Aufwind in der Schweizer Food-Start-up-Szene
Doris Erne, Wood and Field
Bild: zVg

Am Ende Februar 2020 trafen sich rund 200 Vertreter von Start-ups, Investoren, Handel und etablierten Unternehmen der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft aus vier Ländern zur zweiten «Startup Bites Food Summit»-Konferenz auf der Insel Mainau. Wir haben nachgefragt, was die Food-Schweizer Start-up-Szene derzeit am meisten bewegt.

Auf der 2. Start-up-Messe «Startup  Bites Food Summit» des Start-up-Verbands Crowdfoods in der DACH-Region präsentierten dieses Jahr rund 40 Aussteller aus dem Agrifood- und Foodtech-Bereich ihre Neuheiten. Wir befragten drei Schweizer Start-ups zu ihren Eindrücken zur zweiten Start-up Konferenz und nach den Herausforderungen während der Corona-Zeit.

Sind Sie ein «First Mover»?  Was macht Ihr Produkt aus?

David Brandes: 100 Prozent «First Mover». Wir produzieren kultiviertes Fleisch, also Fleisch, das aus tierischen Zellen gezüchtet wird und genauso schmeckt, allerdings ohne dass ein Tier dafür sterben muss. Die Produkte kommen 2023 auf den globalen Markt und werden den Fleischkonsum 
revolutionieren.

Doris Erne: Ja. Wir sind die ersten, die Frischmolke mit Molkenproteinen anreichern und mit Joghurtkulturen fermentieren, sodass wir unsere proteinreichen, laktosefreien Molke Shakes anbieten können, die nicht mehr molketypisch, sondern erfrischend nach Joghurt, dezent süss und fruchtig schmecken. Speziell ist auch, dass wir mit der Schweizer Molke einen Rohstoff nutzen, von dem jährlich rund eine Million Tonnen nicht in die menschliche Ernährung, sondern ins Tierfutter und in die Biogasanlage gelangen. Wir reduzieren mit unseren Produkten diesen enormen Food Loss und die daraus resultierende Umweltbelastung auf genussvolle Art und Weise.

Remo Tschan Scholz: Wir sind definitiv ein «First Mover»: Unsere Bio-Mandeldrinks, welche in zwei verschiedenen Geschmacksrichtungen «Schoko» und «Tonka Tropical» erhältlich sind, sind einzigartig, sowohl im Geschmacksdesign («Tonka Tropical») als auch bei der Herstellung. Um möglichst «frisch» zu sein, haben wir uns bewusst für ein relativ kurzes MHD entschieden (35 Tage ab Produktion) und sind daher ein Frischeprodukt im Gegensatz zu anderen, ähnlichen Produkten, welche entweder mit Inhaltsstoffen oder mit UHT haltbar gemacht wurden. Unsere beiden Drinks sind vegan und glutenfrei und daher für eine sehr grosse Zielgruppe geeignet.

Aufwind in der Schweizer Food-Start-up-Szene

David Brandes, Peace of Meat (Bild: zVg)


Die Corona-Krise ist für viele Start-ups eine existenzielle Herausforderung. Was raten Sie betroffenen Jungfirmen?


David Brandes: Covid-19 zwingt uns dazu, unsere Buchhaltung rigoros auf Kostenpositionen zu reduzieren, die eine direkte Auswirkung auf den Unternehmenserfolg haben. Start-ups sollten auch ohne externe Mittel mindestens zwölf Monate «Runway» kreieren, um die Krise auszusitzen. Die Krise ist auch eine Chance, denn sie trennt die Spreu vom Weizen in Bezug auf die Verlässlichkeit und Ethik von Investoren und Partnern.

Doris Erne: Die betroffenen Jungfirmen benötigen keinen Rat von mir. Wir Start-ups sind solche Herausforderungen, wenn vielleicht auch weniger krass, gewohnt. Mein Rat geht daher an die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in der Politik und an die Gesellschaft als Ganzes: Vergesst bei den Unterstützungsmassnahmen die Start-ups nicht! Sie sind es, welche die Jobs der Zukunft anbieten und auf flexible und schnelle Art und Weise dazu beitragen werden, dass sich die Wirtschaft nach der Krise erholen kann.

Remo Tschan Scholz: Wir sind selber sehr davon betroffen – daher ist ein Rat eher schwierig – daran glauben, dass bessere Zeiten kommen und daraus gestärkt hervor gehen. Aktuell ist es schwierig, ein «neues» Produkt zu lancieren. Aber es gibt Wege und hilfreich sind Flexibilität und Mut.

Aufwind in der Schweizer Food-Start-up-Szene

Remo Tschan Scholz, Herr Vegara (Bild: zVg)


Welche Tipps haben Sie für Jungunternehmen, die aus der Nische hervorpreschen wollen?


David Brandes: Es existieren starke Netzwerke für Schweizer Food-Start-ups, insbesondere Crowdfoods und Food Hack. Des Weiteren empfehle ich auch, international aktiv zu werden. Die besten Kontakte ergeben sich immer im direkten persönlichen Austausch zum Beispiel auf Messen und Meetups.

Doris Erne: Sicher Networking online betreiben, aber dabei die Wirkung von persönlichen Kontakten nicht unterschätzen. Es gibt inzwischen sehr viel Gelegenheit dazu. Der Food Summit ist eine solche Gelegenheit – und ich persönlich habe auch sehr gute Erfahrungen gemacht mit Veranstaltungen von Swiss Food Research.

Remo Tschan Scholz: Da wir selber noch «Jungunternehmer» sind, ist es eher schwierig mit Tipps. Messen, Degustationen von Fachbesuchern scheinen wertvoll, und wichtig scheint uns: «dranbleiben», die Einkäufer­Innen immer wieder mit News versorgen, ohne «zu sehr zu nerven» sowie geduldig sein und sich von Niederlagen nicht entmutigen lassen.

Den ganzen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 5 der Lebensmittel Technologie (LT).