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Das Schweizer Ernährungssystem

Die Produktion von Lebensmitteln in der Schweiz steht unter einem zunehmenden internationalen Wettbewerbsdruck.
Bild: Dan Gold, Unsplash

Die Zukunft des Ernährungssystems durch innovative Produkte langfristig und entlang der gesamten Wertschöpfungskette sicherzustellen.

Das ist das Ziel der Initiative Food 4.0, welche die Akademien der Wissenschaften Schweiz unter der Leitung der SATW lanciert haben. Basis der Initiative bildet eine Studie von ETH-Professor Erich Windhab und seinem Team zur Identifikation von relevanten Technologiebereichen im Schweizer Ernährungssystem. Erste Projekte zur Förderung von Innovationsprojekten in diesen Technologiebereichen werden ab Januar 2022 umgesetzt.

Transdisziplinäre Innovationsprojekte für das Schweizer Ernährungssystem

Die Produktion von Lebensmitteln in der Schweiz steht unter einem zunehmenden internationalen Wettbewerbsdruck. Dieser führt seit mehr als 10 Jahren zu einer nationalen Verdrängung von Unternehmen, die insbesondere KMU trifft. Der europaweite Trend zu billigen Lebensmitteln kann beim existierenden Schweizer Lohn- und Produktionskostenniveau kaum aufgefangen werden. Im Rahmen eines Zusatzkredites hat der Bund die Akademien der Wissenschaften Schweiz unter dem Lead der SATW beauftragt, gemeinsam transdisziplinäre Innovationsprojekte für ein erfolgreiches Schweizer Ernährungssystem – entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der Primärproduktion bis zum Gesundheitssystem – umzusetzen. Der Zusatzkredit ist vorerst auf die Jahre 2021–2024 begrenzt.

Als Grundlage für die weiteren Arbeiten der Initiative Food 4.0 identifizierte Erich Windhab, Professor für Lebensmittel-Verfahrenstechnik an der ETH Zürich, in einer Studie im Auftrag der SATW technologische Hauptentwicklungsbereiche. Diese sind für die Schweiz hinsichtlich Forschungskompetenz, Innovation und wirtschaftlicher Relevanz von grösster Bedeutung. Die identifizierten Hauptentwicklungsbereiche umfassen die folgenden Themen:

  • Proteintechnologie und Pflanzen- / Milchhybridprodukt Engineering
  • Präzisionsbiotechnologie / Biotransformation
  • Digitale Transformation des Ernährungssystems
  • Sanitärtechnologien und hygienisches Design

Erste Ausschreibungsrunde erfolgreich abgeschlossen

Mittels einer Ausschreibung im Hochschul-, Industrie- und Startup-Bereich haben die Akademien der Wissenschaften Schweiz nach innovativen, transdisziplinären Projektideen gesucht, die in einem der vier definierten Hauptentwicklungsbereiche angesiedelt sind. Obwohl es sich bei den vorgegeben Hauptentwicklungsbereichen um technologisch orientierte Themenbereiche handelt, wurden in der Ausschreibung auch Aspekte der Nachhaltigkeit, der Konsumenten-Zentrizität sowie gesellschaftliche Trends mitberücksichtigt. Von den 15 eingereichten Gesuchen konnten sechs Projekte bewilligt werden, die ab Januar 2022 mit einer totalen Unterstützungssumme von 140’000 Schweizer Franken gefördert werden. Auch in den nächsten drei Jahren werden im Rahmen der Food 4.0-Initiative jeweils im August Projektausschreibungen erfolgen, an denen sich interessierte Organisationen beteiligen können.

Wirkung durch Zusammenarbeit erhöhen

Um die Wirkung der Food 4.0 Initiative weiter zu verstärken, ist die SATW mit Swiss Food Research (SFR) eine Partnerschaft in Form eines Letter of Intent eingegangen. SFR fördert im Rahmen des von der Innosuisse finanzierten Programmes NTN Innovation Booster Swiss Food Ecosystems (SFE) disruptive Projektideen für das Schweizer Ernährungssystem. In den bei SFR erfolgreich etablierten Innovationsgruppen erfolgt ein regelmässiger Austausch zwischen interessierten Akteurinnen und Akteuren aus Forschung und Industrie sowie ein Scouting von Ideen und Projekten in Themenbereichen, die von der Food 4.0 Initiative als prioritär eingestuft werden. In zehn verschiedenen Innovationsgruppen werden z. B. Themen wie alternative Proteine, Verpackung, Digitalisierung und Biokonversion behandelt.

Eine weitere Zusammenarbeit erfolgt mit dem NTN Innovation Booster Advanced Manufacturing (IBAM) und dem SFE. In einem gemeinsamen Ideation-Workshop suchen der IBAM, der SFE und die SATW nach innovativen Projektideen für den Einsatz von 3D-Printing in der Lebensmittelindustrie. Dadurch soll das Potential von 3D-Printing zur Herstellung von Lebensmitteln, verbesserten Produktionsmethoden oder neuen Optionen für die Lieferketten genutzt werden.

Die SATW intensiviert auch die Zusammenarbeit mit ihrer Mitgliedgesellschaft Schweizerische Gesellschaft für Lebensmittel-Wissenschaft und -Technologie (SGLWT). Das Ziel ist es, gemeinsam erweiterte F&E-Initiativen ins Leben zu rufen, welche das Ernährungssystem in der Schweiz nachhaltig unterstützen können.

Die Akademien der Wissenschaften Schweiz sind bestrebt, die bestehenden Synergien zu nutzen, um so gemeinsam der Vision eines erfolgreichen Schweizer Ernährungssystem mit kompetitiven KMU schrittweise näher zu kommen.