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Erntesituation 2021: Tiefe Erträge und Erntemengen

Die backfähige Brotgetreidemenge liegt insgesamt rund 30 Prozent unter derjenigen des Vorjahres.
Bild: Verein Schweizer Brot

Die diesjährige Erntesituation war geprägt durch tiefe Erträge und tiefe Erntemengen bei allen Kulturen.

Die vielen Niederschläge während der Ernte führten beim Brotweizen zu starkem Auswuchs. Die backfähige Brotgetreidemenge liegt insgesamt rund 30 Prozent unter derjenigen des Vorjahres, das schreibt swiss granum in einer Mitteilung. Die Fehlmenge beim Brotweizen der Klasse Top und I kann zum Teil aus bestehenden Lagern gedeckt werden. Zur Sicherstellung der inländischen Versorgung wird ein Vorbezug von Teilmengen des Zollkontingents Nr. 27 (Brotgetreide) beantragt.

Die Kommission «Markt-Qualität Getreide» von swiss granum, der Branchenorganisation Getreide, Ölsaaten und Eiweisspflanzen, hat die Versorgungssituation der diesjährigen Ernte beurteilt. Grundlage bildete folgende Erhebungen von swiss granum:

  • Gesamterhebung der Erntemengen bei den Erstübernehmern,
  • Erntequalitätserhebung mit Ergebnissen der Schnelltests.

In die Beurteilung einbezogen wurden ebenfalls die Importe innerhalb des Zollkontingents Nr. 27 (Brotgetreide), die Importe aus den Freizonen, die Importe von Getreide zu technischen Zwecken resp. zur Stärkeherstellung sowie die Lagermengen der Vorjahresernten auf Stufe Handel / Mühle.

Brotgetreide

Sowohl Brotweizen mit - 30.5% wie auch Dinkel (- 24.5%) und Roggen (- 55.3%) weisen 2021 deutlich tiefere Erntemengen aus als im vergangenen Jahr. Insgesamt resultiert aus der diesjährigen Ernte eine backfähige Brotgetreidemenge von 304'079 t (2020: 439’016 t). Die Durchschnittserträge sind bei allen Kulturen tief. Dies ist auf die aussergewöhnliche Witterung im Frühling und Sommer sowie den Hagelschlag zurückzuführen. 23.5% der Brotweizenmenge, 12.6% der Dinkelmenge sowie 47.7% der Roggenmenge sind vom Auswuchs betroffen. Diese nicht backfähigen Brotgetreidemengen in der Höhe von rund 95’000 t können im Futtersektor vermarktet werden. Die Höhe der Auswuchsmenge ist vergleichbar mit derjenigen des Jahres 2014 (ebenfalls ein Auswuchsjahr).

Die aussergewöhnliche Witterung beeinflusste auch die Qualität des Brotweizens negativ. Die ersten Qualitätserhebungen von swiss granum (Resultate der Schnelltests) zeigen tiefere Proteingehalte, Zeleny-Werte und Fallzahlen als im Vorjahr. Die Werte der vorerwähnten Qualitätsparameter liegen alle unterhalb des Durchschnitts der letzten fünf Jahre und sind vergleichbar mit denjenigen des Auswuchsjahrs 2014. Eine abschliessende Beurteilung der Qualität der Ernte 2021 ist erst anhand der Ergebnisse der Laboranalysen sowie der Backtests möglich. Diese werden am 23. November an der Qualitätstagung von swiss granum präsentiert.

Ohne Berücksichtigung der per 1. Juli 2021 frei verfügbaren Lagermengen resultiert aus der diesjährigen Erntemenge insbesondere bei den Brotweizenklassen Top und I sowie beim Dinkel und auch beim Bio-Brotgetreide ein Manko. Dieses kann in Abhängigkeit der Qualitäten und effektiv verfügbaren Mengen der einzelnen Brotgetreidearten sowie unter Berücksichtigung des Ernteübergangs zum Teil aus bestehenden Lagern gedeckt werden. Zur Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung mit allen Brotgetreidearten, einer kosteneffizienten Umsetzung derselben sowie der Gewährleistung des Ernteübergangs fürs Folgejahr wird swiss granum einen Antrag beim Bundesamt für Landwirtschaft einreichen. Dieser umfasst eine Anpassung der Verteilung der Freigabemengen des Zollkontingents Nr. 27 (Brotgetreide), beschränkt auf das Jahr 2022. 30’000 t der Teilmenge des zweiten Halbjahres sollen bereits ab 1. Januar resp. 1. März 2022 verfügbar sein.

Futtergetreide und Eiweisspflanzen

Bei allen Futtergetreidearten waren ebenfalls tiefe Durchschnittserträge zu verzeichnen. Sowohl Gerste mit - 11.9% und Futterweizen mit - 22.6% wie auch Triticale (- 19.4%) und Hafer (- 19.9%) weisen 2021 deutlich tiefere Erntemengen aus als im vergangenen Jahr. Mengenmässig den grössten Rückgang verglichen mit 2020 verzeichnete die Gerste mit einer Gesamtmenge von 164’838 t (- 22’260 t). Ein analoges Bild bezüglich der Erntemengen zeigt sich auch bei den Eiweisspflanzen. Ausstehend sind aktuell noch die Zahlen zur Körnermaisernte. Diese Erhebung wird per Ende November erfolgen.

Ölsaaten

Auch beim Raps machen sich die Auswirkungen der Witterung sowie zusätzlich der erhöhte Schädlingsdruck in einer tieferen Erntemenge bemerkbar. Gesamtschweizerisch konnte 12.5% weniger Raps geerntet werden als im Vorjahr. Von der Erntemenge von 77’073 Tonnen sind 26’967 t Holl-Raps. Mit dieser Erntemenge kann die Nachfrage nach inländischem Raps nicht gedeckt werden. Die Erntemengen für Soja und Sonnenblumen werden erst Ende November erhoben.