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Ist Fett schädlich?

Die Schweizer Fettexperten von Nutriswiss teilen ihr Fachwissen.

Fett macht dick, ist schlecht für die Gesundheit, und stammt es vom Tier, begünstigt es obendrein Krankheiten und verkürzt das Leben: so die früher weit verbreitete Meinung. Es galt: „Iss weniger Fett, lebe länger.“1  In der Folge fluteten fettreduzierte Lebensmittel den Markt. Doch sind Light-Produkte gesünder und Fett wirklich schädlich? Michel Burla, Geschäftsführer der Speiseölraffinerie Nutriswiss, betont: „Über Jahre hinweg wurde Fett diskreditiert, und zwar ohne wissenschaftliche Belege. Glücklicherweise rehabilitieren neuere ernährungswissenschaftliche Studien das Image von Fett, das unverzichtbarer Teil einer ausgewogenen Ernährung ist.“ 2

Der Hype um Light-Produkte
Fettreduzierter Käse, Joghurt und selbst Chips: Von vielen Lebensmitteln gibt es Light-Varianten auf dem Markt. Besonders in den 80er- und 90er-Jahren waren diese Produkte als „Diät-Helfer“ beliebt. Aber sind sie wirklich gesünder? Light-Produkte enthalten oft weniger Fett, aber meist ebenso viel Kalorien wie das Original. Hinzukommt, dass sie oft voller Geschmacksverstärker und künstlicher Zutaten stecken. „Zucker wird häufig durch synthetischen Süßstoff ersetzt, der negative Auswirkungen auf die gesunden Darmbakterien haben kann“, stellt Burla klar. Weniger Fett bedeutet außerdem, dass unser Körper die in der Nahrung enthaltenen Vitamine nicht effektiv aufnehmen kann.

Ohne Fett keine Leistung
Die Vitamine A, D, E und K beispielsweise sind fettlöslich und können nur im Zusammenspiel mit dem Makronährstoff Fett verwertet werden. Auch für die kognitiven Funktionen ist eine ausgewogene Fettzufuhr unentbehrlich, denn unser Gehirn besteht zu ungefähr 60 Prozent aus Fett. Hier spielen Omega-3-Fettsäuren aus Fisch- und Algenöl eine entscheidende Rolle: Sie wirken sich positiv auf den Hippocampus aus, also den Hirnbereich, der für die Gedächtnisleistung zuständig ist. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind außerdem wichtig für ein intaktes Immunsystem, helfen beim Aufbau von Zellen und der Fettmembran.

Tierische Fette – besser als ihr Ruf
Tierische Fette und die darin enthaltenen gesättigten Fettsäuren galten lange als ungesund, da sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten maßgeblich erhöhen sollen.3  Neue wissenschaftliche Studien beweisen das Gegenteil: Gesättigte Fettsäuren unterstützen nicht nur die körpereigenen Abwehrkräfte, sie helfen auch beim Aufbau neuer Zellen.4  Zudem weist beispielsweise Schweinefett im Vergleich zu tropischen Fetten einen höheren Anteil an einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren auf, und das Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6 Fettsäuren ist günstiger. Neben geschmacklichen Vorteilen sind tierische Fette hitzestabil, ihre Verwendung ist auch aus ethischer Sicht sinnvoll, um das gesamte Tier zu verwerten. Burlas Fazit: „Zum Glück wachsen Bewusstsein und Bereitschaft, gesunde Ernährung ganzheitlich zu betrachten. Sowohl tierische als auch pflanzliche Fette haben dabei ihren festen Platz.“

Michel Burla kennt Fette in allen Facetten. Er ist Geschäftsführer von Nutriswiss, einem Unternehmen aus Lyss, das auf die Veredelung von Öl- und Fettkomponenten für die Industrie spezialisiert ist.

1Taubes, G. (2001). „The Soft Science of Dietary Fat”. Science. Vol. 291., S. 2536-2545.
2Hollstein, T. (2021). Gesättigte Fette nicht verteufeln. Deutsches Ärzteblatt; A-359 / B-308.
3Hollstein, T. (2021). Gesättigte Fette nicht verteufeln. Deutsches Ärzteblatt; A-359 / B-308.
4Koenzen, A. (2017). Fett ist gesund! Echt?! Aktuelle Stunde - Fernsehen - WDR.