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Kampf gegen Lebensmittel-Verschwendung

Jedes Jahr wird in der Schweiz rund 1 Million Tonnen an Lebensmitteln entsorgt.
Bild: Kearney

Lebensmittelverschwendung in der Schweiz: Laut einer Studie der globalen Unternehmensberatung Kearney kennt nur jeder 10. Dienste, die intelligentes Einkaufen ermöglichen. Neue Geschäftsmodelle zur Abfallreduktion finden wenig Gehör und haben ihre Grenzen.

Jedes Jahr wird in der Schweiz, laut einer Mitteilung, rund 1 Million Tonnen an Lebensmitteln entsorgt. 480’000 Tonnen davon landen im Müll und werden verbrannt. Weitere 170’000 Tonnen der Lebensmittelabfälle werden separat gesammelt und stofflich zu Recyclingdünger oder Biogas verwertet. Die restlichen 350’000 Tonnen werden entweder durch die Hauskompostierung entsorgt oder an Tiere verfüttert. «Geschäftsmodelle, die gegen diese Verschwendung ankämpfen, finden aber noch wenig Beachtung», konstatiert Adrian Kirste, Partner der globalen Unternehmensberatung Kearney und Experte für Handel und Konsumgüter. Damit ist die Schweiz weit davon entfernt, das UN-Ziel für nachhaltige Entwicklung, also eine Reduktion der Lebensmittelmittelverschwendung um die Hälfte, zu erreichen. In der neuen Studie «Lebensmittelverschwendung reduzieren: Neue Geschäftsmodelle und ihre Grenzen» hat Kearney die Aktivitäten des öffentlichen und des privaten Sektors gegen Lebensmittelverschwendung untersucht und 1000 Konsumentinnen und Konsumenten in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Dabei wurde analysiert, wie 70 Prozent der Verschwendung vermieden werden könnten.

Dienste, die intelligentes Einkaufen ermöglichen

Die Studie zeigt, dass die überwiegende Mehrheit des Lebensmittelabfalls aus privaten Haushalten (52 Prozent) stammt, gefolgt von der Lebensmittelverarbeitung (18 Prozent), der Ausser-Haus-Verpflegung (14 Prozent), der Primärproduktion (12 Prozent) und dem Handel mit vier Prozent. Wie viel dieser Verschwendung auf welchem Weg vermieden werden kann, ist Gegenstand der Kearney-Untersuchung. Verschiedene Geschäftsmodelle mit divergierenden Bekanntheits- und Nutzungsgraden gehen die Verschwendung in privaten Haushalten an. Jeder Dritte der Befragten kennt Dienste zur Mahlzeitenplanung, Sharing-Plattformen und Zero-Waste-Stores. Doch nur jeder Dritte unter ihnen nutzt sie auch. Pantry-Tracking-Dienste, die einen intelligenten Einkauf ermöglichen sollen, sind im Gegensatz dazu kaum bekannt (10 Prozent der Befragten). Diese Dienste werden allerdings von denen, die sie kennen, häufig genutzt.

Bei der Frage nach der Effektivität schneiden die Modelle unterschiedlich ab: Sharing-Plattformen und Food2Food-Transformationsunternehmen gelten als besonders effektiv. Dagegen wird die Effektivität von «Ugly‑Food»- Geschäften und Zero Waste Stores als mittelmässig eingeschätzt. Die befragten Konsumentinnen und Konsumenten sehen bei Pantry-Tracking-Diensten und Diensten zur Mahlzeitenplanung die geringste Wirksamkeit in der Bekämpfung von Lebensmittelverschwendung.

Potenzial geben die Autoren von Kearney neben den Geschäftsmodellen, die auf Endkundinnen und -kunden zielen, auch den Geschäftsmodellen im B2B-Bereich, wie zum Beispiel Bioenergie- und Tierfutterunternehmen, da den relativ hohen Preisen der Endprodukte geringe Rohstoffkosten für die Produktion gegenüberstehen. 

Die Befragten waren sich darin einig, keine Mehrkosten für Angebote zu akzeptieren, die die Lebensmittelverschwendung reduzieren. Die Autoren der Studie weisen daher auf die unverzichtbare Rolle des Staates hin und nennen Instrumente wie finanzielle Anreize, neue Qualitätsstandards, Bewusstseinsbildung oder gezielte Verbote.