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Werden Teigwaren zum Luxusgut?

Teigwarenhersteller befürchten in den kommenden Monaten einen Versorgungsengpass an Hartweizen. Das könnte wiederum die Teigwaren deutlich verteuern.
Bild: Lid.ch

Die Hartweizenpreise waren in den letzten 10 Jahren nie so hoch wie jetzt. Die wetterbedingt schlechten Ernten in diesem Jahr haben die Situation weiter verschärft. Teigwarenhersteller läuten die Alarmglocken und befürchten einen erheblichen Versorgungsengpass. Auch in der Schweiz herrscht Verunsicherung.

In der Schweiz werden nach Angaben von Beat Grüter, Geschäftsführer der Vereinigung der Schweizerischen Teigwarenindustrie SwissPasta und Geschäftsführer der Pasta Premium AG in Frauenfeld, schätzungsweise gut 25’000 Tonnen Teigwaren hergestellt. Der Grossteil des verarbeiteten Hartweizens stammt dabei aus dem Ausland. In seinem Betrieb würden rund 80 Prozent Hartweizen aus Kanada verarbeitet, knapp 20 Prozent aus Europa und ein Bruchteil – weit unter 5 Prozent – aus der Schweiz. Neben der Schweiz sind viele weitere Länder bei der Teigwarenherstellung vom Ausland abhängig. So ist Kanada weltweit normalerweise für rund zwei Drittel des Hartweizenhandels verantwortlich, schreibt Lid.ch in einer Mitteilung.

Ernteausfälle

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters fällt die diesjährige Produktion des nordamerikanischen Hauptexportlands aber wegen extremer Hitze und Dürre um rund drei Millionen Tonnen tiefer aus und damit mit fast minus 50 Prozent unter das Niveau von 2020. Das Wetter hat zusätzlich aber auch die Ernte in Europa beeinträchtigt, wobei insbesondere französischer Weizen aufgrund von übermässigem Regen ein schlechtes Jahr erlebte. Und auch in Italien wurden die Prognosen für die heimische Hartweizenernte, die normalerweise den Grossteil des Bedarfs der dortigen Teigwarenhersteller deckt, ebenfalls gesenkt.

Drastische Preisentwicklung

Die Hartweizenernten seien in den letzten Jahren aber grundsätzlich nicht genügend gewesen und die Versorgungssituation sei angespannt, sagt Beat Grüter. Und die schlechte Ernte- und Vorratssituation zusammen mit dem Anstieg der Frachtkosten lassen die Rohstoffpreise in die Höhe schnellen. Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) erreichten die Preise für Hartweizen im Lebensmittelpreisindex im November ein 10-Jahres-Hoch. Beat Grüter bestätigt die extreme Preisentwicklung: «Der Rohstoff ist dato heute mehr als doppelt so teuer wie noch im Sommer dieses Jahres und es ist nicht einfach an Ware zu kommen.»

Rochade am Hartweizenmarkt

Unter anderem italienische Teigwarenhersteller haben darum Alarm geschlagen und befürchten in einen Engpass zu geraten, der sie gar zu einem Produktionsstopp zwingen könnte. Um der Problematik zu begegnen, hat sich unter anderem die EU für das neue Wirtschaftsjahr anstatt an Kanada an Australien gewandt. So sorgt das knappe Angebot an Hartweizen für Verschiebungen auf dem Hartweizenmarkt: Daten der Europäischen Kommission zeigen, dass sich die australischen Hartweizenexporte in die EU von Juli bis September auf insgesamt 65’000 Tonnen beliefen. In der gleichen Periode im Vorjahr waren es nur 41 Tonnen. Im Vergleich dazu exportierte Kanada in diesem Zeitraum gut 170’100 Tonnen Hartweizen in die EU, was deutlich unter den 485’000 Tonnen des Vorjahres liegt, als Kanada fast 80 Prozent des Hartweizenbedarfs der EU deckte.

Die Schweiz zahlt

«Unsererseits haben wir die für uns nötigen Mengen unter Vertrag, aber ob wir dann die Mengen auch bekommen, das weiss einfach niemand», erklärt Beat Grüter die Situation seines Unternehmens. Grundsätzlich gehe er aber davon aus, dass die Teigwarenhersteller in der Schweiz genügend Ware haben werden. Die Preise würden allerdings noch mehr und teilweise erheblich anziehen, prognostiziert er. Die reiche Schweiz sei aber in der komfortablen Lage, immer einkaufen zu können. «Wo man mehr für die Ware bekommt, dahin wird auch geliefert – ausser es gibt ein Exportverbot.» Allerdings müssten die hohen Rohstoffpreise an die Endkunden weitergegeben werden, ist Beat Grüter der Meinung. Ob der Retail dies aber mitmachen werde, sei unklar.